Gemeinschaft
13.09.2020 20:28 Uhr, Alter: 6 Tage

Die Lichterkette

Ist unsere Welt aus den Fugen geraten? Überall auf der weiten Welt gehen Menschen auf die Straße und demonstrieren für Freiheit, für Recht, für Löhne, für Meinungsfreiheit, gegen Präsidenten und Diktatoren, für Klimaschutz, für Veränderungen vielfältiger Art. Oft geht es friedlich zu, aber es kann auch Hass die Atmosphäre vergiften, den Frieden unterlaufen, Gewalt sich entladen, Zerstörung sich ungehindert ausbreiten. Wir sehen auch die vielen Kerzen und Blumen an den Orten des Unglücks, der Gewalt, des Terrors. Auch das eine „Demonstration“, schweigend, still, ohnmächtig.

In Spabrücken gab es eine Lichterkette, weil die Prozession am Fest „Mariä Geburt“ nicht stattfinden konnte. Fast 400 Menschen standen mit einem Licht an der Straße. Eine neue Erfahrung. Wir stehen, wir stehen geduldig, wir folgen nicht dem Gnadenbild. Es wird zu den Menschen getragen und – weitergetragen. Ich schaue ihm entgegen – ich bin da, es kommt ganz nah – und ich lasse es weiterziehen zum Nächsten.

Die Kerze leuchtet dem Bild der „Madonna vom Soon“, entgegen. Das Licht sagt: „Hier bin ich. Siehst du mich? Ich warte auf dich. Ich leuchte dir entgegen, denn ich freue mich auf dich.“ Das Gnadenbild kommt. Jesus hat die Hand erhoben und segnet mich. Und er zieht weiter, um den Nächsten zu segnen.

Wie wird der Segen sein? Maria hält uns Jesus entgegen, das Licht der Welt. Wird mein Licht gesegnet? Jesus ist vorbeigezogen. Soll ich meine Kerze, mein Licht jetzt ausblasen? Nein, er segnet mich und den Nächsten dazu, dass ich und er und sie und wir „Licht werden“ in der Dunkelheit, in den Fragen und Nöten unserer Zeit.

Menschen, du und ich, tragen das Licht – an Jesus entzündet. Es flackert manchmal sehr, es wird gefährlich klein, droht zu verlöschen. An diesem Abend leuchtet es und zeigt ganz zart das Gesicht des Nachbarn.

Auch eine „Demonstration“. Jesus vertraut uns sein Licht an. Wir tragen es heute. Werden wir es den Menschen „demonstrieren“, das heißt den Menschen „zeigen“, was es um dieses Licht ist?

Mit Maria ja sagen zu ihm, zu Jesus. Ihn nicht heimlich und versteckt wie hinter vorgehaltener Hand bekennen, sondern frei und offen, denn er macht das Leben hell. Er gibt uns Zuversicht und Kraft, dass wir auch aufeinander zugehen können. Das Dunkel, Verschlossenheit und Vorwürfe werden hell, lösen sich, Vergebung bringt uns zusammen – eine Lichterkette, die „die Nacht“ erhellt. Sie wird weiter leuchten.

Ihr Pastor P. Meinulf, mit Kooperator K.-J. Bings, Diakon B. Lohmer
und der Klostergemeinschaft


Aktueller Pfarreienbrief

Nr. 06/2020
14.09.2020 - 25.10.2020

 

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