Gemeinschaft
02.10.2017 22:00 Uhr, Alter: 75 Tage

Die Zukunft – wie komme ich dahin?

Im vergangenen Pfarrbrief fragte ich: „Die Zukunft – wo liegt sie?“ Wir denken ja, sie liegt vor uns, sie kommt auf uns zu. Manchmal zweifeln wir daran, dass wir auf sie zugehen oder ihr ausweichen könnten. Es kommt, wie es kommt! sagen die Alten gelassen. Also, lass es kommen? Lass es laufen? Nein, im Gegenteil, wir bauen Häuser, wir sichern uns ab, wir bauen fest. Wir reißen Altes ab und bauen Neues. Wir machen Pläne, entwickeln Ideen, bauen vor. Wir möchten manchmal unsere Zukunft sichern, indem wir Altes in die Zukunft retten. Oder wir sind unzufrieden und verwerfen das Frühere. So sind wir oft zerrissen zwischen den Zeiten, zwischen gestern – heute – morgen.

Nun haben sich die Firmlinge zur Vorbereitung angemeldet. Das ist wirklich ein Anfang auf Zukunft hin, denn die Firmung ist erst am 28./29. April 2018. Heißt das jetzt: „Es kommt, wie es kommt“? Sollen wir es laufen lassen? Oder gilt nur das Alte, wie es früher war? Oder muss gerade alles anders werden?

Als ich die Firmlinge in der Anmelderunde trocken fragte: „Ihr wollt zur Firmung gehen. Was ist denn Firmung?“ zuerst großes Schweigen, und dann zögerlich: „Wieder mehr glauben“, „den Glauben kennen lernen“, „zu Christus ja sagen“. In solchen behutsamen, tastenden Antworten spüren wir, dass in den jungen Menschen etwas ist, womit wir Zukunft bauen können. Wir fangen nicht bei Null an. Und mehr noch nehmen die Katechetinnen, die Gruppenleiterinnen es wahr, sie spüren für sich selbst in der Vorbereitung der Stunden: Ich entdecke neu meinen Glauben, tiefer, wichtiger, lebens-näher. Ich entdecke, dass es einen Anfang gab, den ich nie oder nur halbherzig ergriffen hatte, der im Alltag unter­ging, aber noch da ist, aus dem ich nicht lebte. Plötzlich wird der Glaube reich und schön, bekommt eine Kraft.

Anders als die technische Zukunft ist unsere menschliche, persönliche Zukunft. Sie geschieht in der Erinnerung an den Anfang. „Ich werfe dir vor, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Kehr zurück!“ heißt es in der Bibel, Off 2,4. In dem Anfang den Gott mit uns gemacht hat, liegt alle Kraft. Die erste Liebe, die Bezie­hung zwischen Gott und uns – sie ist ähnlich wie die zwischen Menschen. Da ist ein Gespür dafür, dass ich ergriffen bin, nicht dass ich besitze, sondern dass ich beschenkt bin, erwählt, dass ich – ohne Leistung, Können oder Eitelkeit – ange­schaut werde und darum kostbar bin. In der Welt zählt sooft anderes, Leistung und Funktionieren, am Ende bin ich verbraucht, werde fallen gelassen, entsorgt.

Wie komme ich in die Zukunft? Wenn ich in den Anfang zurückkehre, wenn ich mit Gott in meinem Leben rechne; es annehme, zulasse, dass er mein Gott ist. Dann wird meine Seele still. Dann ist Friede in mir. Dann ist alles gut.

 

Was trägt, ist darum nicht einfach „das Alte“, „das Frühere“, sondern dieser Anfang. Der Anfang, den Gott mit uns gemacht hat, als er uns das Leben gab, als er uns den Glauben schenkte, uns die Sehnsucht nach ihm gab. Nicht das „Machen“ ist der Anfang, sondern das Staunen.

Beten wir darum und leben es, dass auch unsere Firmlinge, die voller Kraft und Neugier in die Welt „hinaus-wachsen“, die offen sind für alles Neue, diesen kostbaren Anfang wieder in sich entdecken und ihn zulassen: „Gott, mein Gott!“

Ihr Pastor P. Meinulf mit Koop. Karl-Josef Bings, Diakon B. Lohmer und der Klostergemeinschaft

 

 


Aktueller Pfarreienbrief

Nr. 12/2017
27.11.2017 - 24.12.2017

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