Gemeinschaft
09.07.2017 21:27 Uhr, Alter: 42 Tage

„anders“

Schon wieder zu spät? – Plötzlich sind sie da, die Ferien, die heiß ersehnten, wenigstens für die Schüler. Da geht es noch einmal hektisch zu, bis alles gepackt ist. Ja nichts vergessen! Andere lassen es ganz gemütlich beginnen. Ferien liegen wie weites Land vor uns, mal schauen, was wir daraus machen. Für eine große Familie sind Ferien eine logistische und finanzielle Herausforderung, für andere die Freude, in andere Kulturen und Länder einzutauchen, für manche ganz einfach eine Zeit, um nach allem Funktionieren und Schaffen wieder Mensch zu werden. Oder steht ein Programm auf dem Plan, das unbedingt erledigt werden muss?

 

Für alle aber verbindet sich „Ferien“ mit „anders“. Unser Alltag hat seinen Rhythmus, seine Zeiten, Gewohnheiten, Verpflichtungen, Ansprüche, Erwar¬tun¬gen – „damit es läuft, damit es geht.“ Die Zeit muss gefüllt sein, nicht vertan, nicht nutzlos vergeudet – sonst bin ich selbst nutzlos. Und Ferien sind „anders“. Wirklich anders, vielleicht das Gegenteil des Alltags? Etwa nutzlos, vertan, vergeudete Zeit, ohne Gewinn, einfach so gelebt?

 

Oft passiert es dann, dass wir uns unter „Ferien-stress“ setzen. Das Alltags-Raster holt uns wieder ein: „die Zeit muss doch genutzt werden“, ausgeschöpft, viele Bilder, Erfahrungen, weite Reisen, Sonne, Meer, Berge, Kunst, etwas Neues, und das auch noch …

 

Als Pastor will ich aus den Ferien keine fromme Geschichte machen, unbedingt Gott finden, den wir im Alltag sooft an den Rand schieben, keinen Frömmig¬keitsschub anpreisen. Doch das „anders“, diese Sehnsucht gegen den Alltag, scheint mir schon wichtig.

 

In den Ferien komme ich auf die Spur des Lebens, wenn ich staunen lerne: Die Schöpfung, Landschaft, Berge, Meer und Strand, die Blumen im Garten wahrnehmen, vor allem die anderen Menschen in der Familie ohne Erwartung und Befehl „Du musst! Mach mal! Jetzt aber schnell!“ Staunen lernen: andere Menschen in anderen Ländern und Gegenden, den Reichtum der Geschichte. Welche Kraft, Visionen und Hoffnungen der Menschen? Nicht gleich bewerten, nutzen, berechnen, sondern hinschauen und sein lassen, einfach so. Das macht unseren Geist weit und neu. Ich fange an zu leben, und werde nicht „gelebt“.

 

Beim Pfarrfest in Spabrücken. Die Musiker spielten ihre Musik im Innenhof des Klosters. Sechs, sieben kleine Kinder liefen Hände klatschend im Takt im wasserlosen Brunnen um die Säule. Der kleine Theo, gerade 3 Jahre alt, hielt eine Flasche an den Mund, schritt wippend im Takt und bewegte die Finger wie auf der Trompete. Ich schaute nur zu, herrlich. Ferien mitten im Alltag.

 

Allen eine gute Ferienzeit.

 

Ihr Pastor P. Meinulf mit Koop. Karl-Josef Bings,

Diakon B. Lohmer und der Klostergemeinschaft


Aktueller Pfarreienbrief

Nr. 08/2017
14.08.2017 - 03.09.2017

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